Verantwortung zählt für Lehrlinge mehr als Geld

Schweizer Lehrlinge wünschen sich anspruchsvolle Aufgaben und Anerkennung. Fünf Firmen schneiden besonders gut ab.

Kopien erstellen, Kaffee holen, Küche putzen: Lehrlinge wollen während der Ausbildung nicht nur für Bagatellen zuständig sein, sondern auch Verantwortung im Lehrbetrieb übernehmen. Sie möchten als «richtige Mitarbeiter» angesehen werden, wie in einer Studie von Great Place to Work zum Ausdruck kommt. Das Unternehmen befragte rund 3000 Lehrlinge bei 15 Schweizer Unternehmen. Sie wünschten sich einstimmig den starken Einbezug in Entscheidungen, die ihr Arbeitsumfeld betreffen.

Viele Auszubildende erwarten neben anspruchsvollen Aufgaben auch entsprechende Anerkennung für die geleistete Arbeit. Dabei geht es laut dem Studienleiter Florian Manz vor allem um die Akzeptanz als vollwertige Mitarbeitende. Dass der Lehrlingslohn sich von dem anderer Mitarbeiter unterscheidet, fällt weniger ins Gewicht: Rund drei Viertel der Auszubildenden bei den prämierten Unternehmen finden, dass ihr Lehrbetrieb die geleistete Arbeit angemessen bezahlt. Insgesamt sind rund die Hälfte der Lehrlinge mit ihrem Lohn zufrieden.

Die besten Lehrbetriebe der Schweiz

Great Place to Work lancierte die Studie Great Place to Startdieses Jahr. Von den 15 teilnehmenden Firmen zeichnete das Unternehmen fünf als «Beste Lehrbetriebe der Schweiz» aus:

• Login Berufsbildung AG (1910 Lernende)
• Allianz Suisse (65 Lernende)
• Graubündner Kantonalbank (42 Lernende)
• Lidl Schweiz (37 Lernende)
• 100pro! Berufsbildung Liechtenstein (25 Lernende)

Michael Schweizer, Geschäftsführer von Login Berufsbildung, das unter anderem Bildungspartner der SBB und BLS ist, sagt zu 20 Minuten: «Die Möglichkeit, früh Verantwortung übernehmen zu können, motiviert. Das spüren die Kunden des öffentlichen Verkehrs – gleichzeitig werden die Lernenden zu gefragten Nachwuchskräften.»

Studienleiter Manz bestätigt, dass die Akzeptanz als vollwertige Mitarbeiter in der Ausbildung beginnen sollte. Ebenfalls wichtig sei es, dass Auszubildende Freude und Stolz im Beruf verspüren. Lernende sind zudem eher mit ihrem Betrieb zufrieden, wenn sie ihre Ausbilder für kompetent halten.

Lehrlinge leisten im Detailhandel einen wichtigen Beitrag

Mit dem Ausgleich zwischen Berufs- und Privatleben sind Lernende in der Versicherungs- und Finanzbranche besonders zufrieden. Hotellerie und Verkauf schnitten in diesem Bereich deutlich schlechter ab. Dafür finden viele Auszubildende im Detailhandel, dass sie einen wichtigen Beitrag leisten, etwa durch direkten Kundenkontakt.

Lernende im handwerklichen und produzierenden Gewerbe fühlen sich vom Arbeitgeber besonders gut geschützt. So bewertet diese Gruppe Gesundheits- und Arbeitsschutz besser als Auszubildende in anderen Branchen.

Lernende wollen nicht beim Betrieb bleiben

Bei den Unternehmen, die keine Auszeichnung erhalten haben, wollen weniger als die Hälfte der Lernenden nach der Lehre bei der Firma bleiben. Die Minderheit würde Freunden den Betrieb zur Ausbildung empfehlen. Im Gegensatz dazu sind 80 Prozent der Auszubildenden bei den fünf ausgezeichneten Unternehmen stolz auf ihre Firma und würden sie weiterempfehlen. 70 Prozent wollen nach der Ausbildung beim Betrieb bleiben.

Welche Unternehmen keine Auszeichnung erhielten, teilt Great Place to Work nicht mit. Man wolle das Positive hervorheben, statt freiwillig teilnehmende Unternehmen zu bemängeln, begründet Manz den Entscheid im Gespräch mit 20 Minuten.

Quelle: 20min.ch