Leitlinien zum Lehrlingslohn

Im August treten Tausende von Jugendliche eine Lehrstelle an, verdienen ihr eigenes Geld und könnten sich an den Haushaltskosten beteiligen. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Wem gehört der Lehlingslohn?

Mein Sohn meint, er könne seinen ganzen Lehrlingslohn als Taschengeld beanspruchen. Stimmt das?
Das Gesetz sagt (ZGB, Art. 323), dass das selbstverdiente Geld dem Lehrling gehört. Es heisst aber auch, dass die Eltern verlangen können, dass er einen angemessenen Beitrag an seinen Unterhalt leistet, solange er mit ihnen unter einem Dach lebt.

Wie viel Kostgeld ist zu zahlen?

Wie finden wir heraus, wie viel uns unser Kind von seinem Lehrlingslohn zu Hause abgeben soll? 
Welcher Betrag für Kost und Logis «angemessen» ist, muss im Einzelfall festgelegt werden. Bei der Budgetberatung Schweiz sind Richtlinien zur Einteilung des Lehrlingslohns erhältlich. Diese können als erste Orientierungshilfe dienen. Am besten listen die Eltern anschliessend zusammen mit dem Kind konkret auf, welche Ausgaben es hat. Danach ist zu klären, welche Kosten der Lehrling selber übernehmen kann und welche nicht. Und ob er überhaupt in der Lage ist, etwas zu Hause abzugeben.

Was gilt bei sehr tiefen Löhnen?

Ist es sinnvoll, auch bei einem sehr tiefen Lehrlingslohn noch etwas zu Hause abzugeben? 
Bei 500 Franken Lehrlingslohn wird das kaum gehen. Dann ist es jedoch wichtig, dass Eltern und Kind miteinander abmachen, welche Ausgaben der Lehrling mit seinem Lohn selber deckt. Das könnten beispielsweise die Fahrkosten, der Kauf von Kleidern, Coiffeur- und/oder Handykosten sein. Denn der Jugendliche soll lernen, mit Geld bewusst umzugehen und Verantwortung zu übernehmen. Bei einem Lehrlingslohn von 950 Franken hingegen sollte es möglich sein, die meisten Ausgaben selber zu begleichen und auch noch etwas für Kost und Logis abzugeben (siehe Grafik). Generell gilt, dass der Lehrling in erster Linie für seine Kosten selber aufkommen soll. Je höher sein Lohn, desto mehr soll er selber bezahlen und desto mehr soll er für Kost und Logis abgeben.

Quelle: beobachter.ch